Windy Welly

Shit happens und wir sind davon sicher auch nicht ausgenommen.
Klar hatten wir einglische Zeitangaben auch im Unterricht mal gelernt, aber rund um die 12 kann das schon noch verwirrend sein.
Deshalb dachten wir wohl auch zum Zeitpunkt der Buchung, dass 12:45am mittags wäre.
Ist es aber nicht, sondern kurz nach Mitternacht. Naja – halb so wild, denn wir haben es ja vor der Fahrt noch gemerkt und unseren Bus nicht verpasst.
Es ging also um 00:45Uhr von Taupo weiter in die Hauptstadt Wellington.
Man darf allerdings keine normale Hauptstadt erwarten, wie man das von Europa gewöhnt ist.
Erstens ist hier alles viel kleiner und die Fußwege sind sehr kurz vom einen Ende der Stadt zum anderen.
Okay – soweit ja nicht schlecht.
Zweitens ist das Nahverkehrsnetz echt schlecht ausgebaut. Wenn man innerhalb der Stadt fahren will, kommt man gut voran, aber die Wege sind allesamt zu Fuß zu meistern.
Wir hatten hingegen vor ein bisschen außerhalb was zu besichtigen.
Erster Plan war der Kaitoke Regionalpark, in dem auch Teile von Herr der Ringe gedreht wurden.
Also sind wir zur Touristinfo gegangen und wollten uns mal beraten lassen, wie man da am besten hinkommt, denn im Internet konnten wir vorab nur eine mäßige Wegbeschreibung finden.
Nun wurde auch klar wieso. Ohne Auto geht da nix. Man kann zwar mit dem Zug fahren, von dort mit einem Bus und von da aus dann für 50$ mit dem Taxi zum Eingang des Parks, aber das war uns dann doch ein bisschen zu umständlich.
Also haben wir uns informiert, was es stattdessen in der Nähe sonst noch so gibt.
Dabei sind wir auf eine Insel gestoßen, auf der wir uns auch eine schöne Wanderung erhofft haben. Aber auch Kapiti Island ist nur mords umständlich zu erreichen.
Man kann wohl schon raushören, dass uns “windy Welly”, wie die Neuseeländer ihre Hauptstadt auch nennen, nicht besonders freundlich empfangen hat.
Statt einem Ausflug haben wir dann wohl alle drei Tage im Zentrum verbracht – stets in Laufnähe des Hotels.
Eigentlich waren ja nur zwei Tage in Wellington geplant, doch aufgrund der Nachtfahrt kam ein weiterer hinzu, den es zu füllen galt.

Was haben wir also gemacht?
An einem Tag waren wir im Nationalmuseum “Te Papa”.
Dies ist ein interaktives Museum mit freiem Eintritt.
Normalerweise stehe ich ja nicht auf Museen, doch bei schlechtem Wetter ist das eine ganz gute Beschäftigung.
Außerdem haben wir dort ein bisschen was über die Ureinwohner (Maori), Einwanderer und Erdbeben gelernt.
Neuseeland liegt auf zwei verschiedenen Platten: der australischen und der pazifischen Platte.
Diese sind immer mal wieder in Bewegung und deshalb ist Neuseeland auch ein erdbebengefährdetes Gebiet.
Allein in Wellington gibt es wohl jede Woche eins (wenn auch nur ein kleines).
Wir sind wohl verschont geblieben, oder es war so schwach, dass wir es nicht bemerkt haben.
Wenn man sich das so bewusst macht, ist die Aussicht in einem knappen Monat wieder auf “sicherem” Boden zu sein doch sehr lukrativ (auch wenns in Deutschland noch nicht so mild ist wie hier).

Außerdem waren wir auf dem Mt Victoria Lookout. Hier oben hat man einen 360°-Blick auf die Stadt.
Der Weg hoch ist jedoch wieder mal eine Anstrengung für sich.
Erstens geht es logischerweise die ganze Zeit hoch und zweitens haben die Neuseeländer echt schlechte Stadtpläne.
Entweder sind Straßen nicht eingezeichnet oder nicht beschriftet.
Falls doch, könnte es auch vorkommen, dass Straßen in der Stadt nicht beschriftet sind oder von zweien nur eine, so dass man sich ebenso schlecht orientieren kann.
Intuition und viel Energie helfen dann und irgendwann kommt man auch oben auf dem Berg an.
Leider war das Wetter an dem Tag auch nicht so schön und die Sicht nicht besonders gut.
Vom Lookout ist es nur noch ein Katzensprung zum Flughafen und wenn man diesen so von oben betrachtet weiß man auch sofort, wieso hier keine internationalen Flüge abgehen.
Es gibt nur eine kleine Landebahn und ein paar kleine Abfertigungshallen. Da würden die bestimmt nicht zurechtkommen mit den großen Übersee-Fliegern und Passagiermassen.

An unserem letzten Tag in Wellington hatten wir noch den Botanischen Garten übrig.
Hierzu gehört auch ein hübsch angelegter Rosengarten (“Lady Norwood Rose Garden”).
Auch der Weg durch den botanischen Garten ist mal wieder anstrengend, denn ganz Neuseeland scheint aus ungezählten besiedelten Hügeln zu bestehen.
Vor kurzem haben wir gelernt, wieso die Nationalpflanze, der Silberfarn, so heißt wie er heißt.
Leuchtet man die Unterseite der grünen Blätter an, sehen sie silbern aus.
Das funktioniert auch mit dem Kamerablitz und so habe ich das mal im Bild festgehalten.
Oben angekommen haben wir nun auch das Wahrzeichen (?) erreicht: die rote Schienenbahn.
Da es sonst ja nicht so viel Spektakuläres gibt, haben wir kurzerhand beschlossen uns den Weg runter fahren zu lassen. Mit 3,50$ war es ohnehin ein Schnäppchen – der Weg hoch kostet jedenfalls mehr.

Lady Norwood Rose Garden

Silberfarn