Erster Tag in Delhi

Frühstück in Indien ist natürlich anders als zu Hause. Es gibt viel mehr warme Gerichte und fast gar kein Brot.
Dafür aber auch andere Säfte: frisch gepresster Wassermelonensaft von reifen Melonen schmeckt ziemlich lecker.
Probiert habe ich eher weniger von den warmen Gerichten.. lieber erst mal langsam an das Essen herantasten. Die paar Sachen waren schon mächtig scharf 😀 Außerdem gab es eine große Auswahl an Obst und fettigem Süßkram (ich dachte mit einem mini Donut kann man nix falsch machen, kann man aber doch: wer denkt, dass Donuts bei uns schon fettig sind, liegt völlig falsch. Hier der triefte nur so von Fett).

Unser Hotel befindet sich am Connaught Place. Das ist ein lebendiger Bereich in der Stadtmitte. Im Zentrum gibt es einen Kreisverkehr, der aus drei Ringen besteht. Im innersten Ring befindet sich ein Park. Die Inder nutzen ihn um ein bisschen Ruhe zu haben und setzen sich einfach so ins mehr oder weniger saubere Gras (Bänke gibts nicht). Wir haben viele Pärchen gesehen. Ob das Liebesleben hier in der Stadt wohl mittlerweile lockerer gesehen wird? Um in den Park zu gelangen, muss man ebenfalls durch eine Körper- und Gepäckkontrolle gehen.

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Central Park

Im mittleren und äußeren Kreis gibt es Geschäfte und ab dem späteren Vormittag auch viele Stände mit diversem Zeug.

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Geschäfte und Tuktuks im mittleren Kreis

Obwohl das ganze in der Nähe ist, haben wir uns ziemlich schwer getan dort hinzukommen. Ständig wird man angequatscht und kriegt Ratschläge von Indern, wo man hingehen soll.
Der erste meinte wir sollten eine bestimmte Gegend meiden, die wäre nicht sicher für uns. Der nächste war ein Apotheker, der noch ein paar Minuten Zeit hatte, bis der zur Arbeit muss. Daher hat er uns geholfen die Straße zu überqueren und zu einer Touristeninfo geführt, wo wir einen kostenlosen Stadtplan bekommen haben. Allerdings einen sehr groben. Daraufhin sind wir weiter umher geirrt und wurden prompt vom nächsten angequatscht. Dieser war Student und meinte er wollte nur englisch üben. Dank ihm haben wir ein anderes Reisebüro gefunden und dort einen kostenlosen und wirklich brauchbaren Plan bekommen. Uns wurde empfohlen die Basare zu besichtigen, also haben wir uns ein Tuktuk gegönnt und für 10Rupien hinfahren lassen. Unter einem Basar hatte ich mir zwar einen offenen Markt vorgestellt, aber irgendwie sind wir dann bei einem mehrstöckigen Haus angekommen. Hier gab es auch allerlei indisches Zeug zu kaufen (Schmuck, Teppiche, Dekoartikel, Bilder, Schuhe und Kleidung,…). Im Erdgeschoss wurden wir vom ersten Verkäufer in Empfang genommen und dann immer in eine weitere Abteilung weitergereicht. Zum Kaufen waren wir jedoch nicht in der Stimmung, also ging es mit dem Tuktuk wieder zurück.. die letzten Meter wollten wir zum Connaught Place laufen, hier hat uns dann Anil (ein weiterer Student) abgefangen. Mit ihm haben wir am meisten geredet. Er hat uns sogar Fotos von seiner Frau und Schwester gezeigt. Eigentlich wollte er um 14Uhr ins Kino, hatte aber vorher noch genügend Zeit, um sich um uns zu kümmern. Er hat uns dann aufgeklärt, dass hier gestern ein Hockey Spiel war (scheint neben Cricket wohl auch eine beliebte Sportart zu sein). Dann haben wir von ihm erfahren, dass keines der beiden Touristenbüros ein offizielles war, aber für die Karte fanden wir es auch nicht schlimm in ein Fake-Büro gegangen zu sein… Anil hat uns auch gezeigt, wie wir sicher die Straße überqueren können, nämlich indem wir gehen und die Hand zum ankommenden Auto ausstrecken, und uns davor gewarnt auf Ampeln zu vertrauen.

Fast alle Menschen, denen wir bisher begegnet sind, haben mich gefragt, ob ich Inderin bin und meinten, dass ich mir doch so ein indisches Outfit zulegen soll. Den Namen habe ich schon wieder vergessen, aber Saris waren es nicht, denn die wären eher was für alte Leute… sie meinten damit zeige ich Respekt, sähe so aus, als käme ich von hier und würde dementsprechend auch anders behandelt werden. Vielleicht käme ich ja so auch an die einheimischen Preise ran 😉

Ansonsten finde ich es schon ziemlich warm draußen. Im T-Shirt lässt es sich aushalten, aber lange Ärmel müssen nicht mehr sein. Weiterhin hupt es alle 2 Sekunden (den Verkehr verstehe ich noch nicht, aber ich habe schon gehört in Indien braucht man eine gute Hupe, gute Bremsen und viel Glück).

Von der Armut im Land haben wir bisher noch wenig mitgekriegt. Es waren schon viele Straßenhunde unterwegs (da bin ich gleich viel zufriedener über die zurück liegenden Tollwutimpfungen), aber auch kleine Kinder (ähnlich wie im Film Slumdog Millionär), die mit Kleinkindern auf der Straße betteln. Ich finde den Verkehr ja schon schlimm, aber dann werden da die winzigen Lebewesen in viel zu großen Flipflops heulend zwischen den Autos über die Straße gezerrt und werden von den älteren Kindern geschlagen, wenn sie nicht gehorsam sind. Ist dann irgendwie doch noch mal bisschen was anderes, ob man es im Film sieht oder einen Meter neben sich.
Viele, viele Eindrücke strömen auf einen ein und es wird sicher noch eine Weile dauern, bis wir uns eingewöhnt haben.